Galerie am Prater
Den Saal des Praters habe ich ein paarmal besucht. Etwa 1994/95 war ich im Saal bei einer Veranstaltung zur Zukunft des Gebäudes dabei, auf der Frank Castorff anbot, dass die Volksbühne dort eine Spielstätte eröffnen könnte. Das hatte natürlich eine positive Resonanz und wurde auch bald umgesetzt. Ich erinnere mich sonst vor allem an Ausführungen zur Geschichte des Praters und des gerade erfolgten Umbaus. Die Erinnerung ist ziemlich holprig. Die Stimmung im ziemlich vollen Saal war klar für einen öffentlichen Betrieb. Private Betreiber wurden nicht gewünscht. Kennengelernt hatte ich vorher schon die Galerie gegenüber, die Galerie am Prater. Hier stellte Peter Neuhaus Anfang der 1990er zum ersten Mal öffentlich seine Plastiken aus. Peter lebte mit seiner Frau Gitta seit Anfang der 1980er bis Mitte der 1990er-Jahre bei uns in der Kollwitzstraße 52. Zur Wendezeit hatte er den größten Teil der Wohnung mit seinen Skulpturen zugebaut, ohne ein einziges Mal zu DDR-Zeiten auszustellen. Es war deshalb ein riesiges Verdienst der Galerie, damals seine sehr eigenen Arbeiten auszustellen. Peter Neuhaus ist ein Unikum, seine Arbeiten spiegeln dies gut wieder. Die Ausstellung gab ihm einen großen Auftrieb, er tourte danach durch die Republik und stellte aus. An einen zweiten Besuch in der Galerie (1995 vermutlich) habe ich eine sehr selektive Erinnerung, ich weiß noch nicht einmal, um welche Ausstellung es ging. Hängen geblieben bei mir ist eine Performance eines jungen Mannes, der zu Musik die Treppe vom hinteren Teil der Galerie herunter kam und sang(?) – dies alles leichtest bekleidet. Der Auftritt beeindruckte mich sehr, ich sprach ihn an. Er hatte auch mal Kunst studiert. In diesem Gespräch entstand die Idee, dass er für einige Monate zu uns in die K52 kam, um als Modell für Aktzeichnen zu stehen. Ich wollte endlich wieder an meinen morphographischen Zeichnungen weiterarbeiten. Mit Erfolg: in 1997 zeigte ich die Resultate in der ACUD-Galerie in Mitte. Danach versank ich im Bausumpf in der K52 und kann mich nur noch an den Schmalzwald von Laura Kikauka erinnern, jetzt im Prater selbst. Eine tolle Sache.


